Badeschuhe ohne Wasser - geht nicht.
Ich ohne Seife - geht auch nicht.
Nach dieser hier, bin ich inzwischen süchtig.
Bereits bei unserer ersten Reise in den Süden Frankreich´s sind mir verschiedenen Dinge ins Auge gefallen.
So zum Beispiel die Seifenläden. So schön!
So farbig und duftig, genau mein Ding.
Das hat mich veranlasst, zu recherchieren.
Wieso ausgerechnet hier - Seife?
Im Süden Frankreichs würde man doch andere Produkte erwarten?
Aber sie ist berühmt, die Seife aus Marseille.
Woher kommt die Seife und wie lange gibt es sie hier schon? Wie wird sie hergestellt?
Gerne gehe ich diesen Fragen auf den Grund.
Das schöne ist, erst wenn man öfter eine Region besucht, kann man tiefer eintauchen.
Man entdeckt diese interessanten Dinge und kann sie intensiver beleuchten.
Von diesen Traditionen und Geschichten gibt so viele, die nur darauf warten, von uns entdeckt zu werden. Genau das ist es, was Reisen ausmacht - die Welt kennenlernen!
Der Seifenladen von Le Grau du Roi.
Die Seife wird auch überall in der Camargue verkauft - der Duft von Lavendel darf nicht fehlen
Photo by. Viola Einert-Krug
Photo by: Viola Einert-Krug
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Seit der Antike bereits wird in Frankreich Seife verwendet.
Damals von den Galliern, aus einem Gemisch von Talg und Asche.
Aber eigentlich hat die Seifenherstellung ihren Ursprung in Syrien.
Hier gibt es sie seit tausenden von Jahren.
Die Basis bildeten dabei Olivenöl und Lorbeer.
Auf Kreuzzügen entdeckt, wurde sie dann mitgebracht und kam so bereits im
12. Jahrhundert nach Marseille.
Hier gibt es natürlich den optimalen Standort.
Südfrankreich - die Provence - Oliven - Lavendel und so viele andere herrliche Düfte.
Sie entfalten sich intensiv unter der südlichen Sonne und können in vielen Produkten verarbeitet werden.
Photo by: Viola Einert-Krug
Zunächst wurden als Rohstoffe das Olivenöl aus der Provence und Soda benutzt.
Soda, so erinnern wir uns ist Natriumcarbonat.
Es wird aus der Asche der hiesigen Pflanzen -
aus dieser "salzhaltigen" Umgebung gewonnen.
Dazu wurden:
- die Pflanzen mit hohem Salzgehalt verbrannt
(sie wachsen hier auf den Salzwiesen, den Etangs)
- diese Verbrennungsrückstände wurden extrahiert, das heißt
- die feuchte Asche wird in ein Tuch gegeben und ausgepresst
- diese Flüssigkeit wurde in Bottichen aufgefangen
- die Bottiche wurden in der südliche Sonne stehen gelassen
- die Feuchtigkeit verdampfte.
Nur durch den Einsatz dieser regionalen Produkte,
konnte die Seife ihre Einzigartigkeit erlangen.
Alle Rohstoffe sind hier zu Hause.
Die Oliven wachsen um die Ecke, der Lavendel wird seit Ewigkeiten hier in der Provence angebaut,
ebenso wie viele andere Kräuter und Pflanzen.
Das ist die ideale Basis für die verschiedenen Düfte der Seifen. Düfte die uns den Kopf verdrehen und
die Sinne benebeln und unsere Stimmung beeinflussen können - ebenso wie Farben.
Der Wind in der Provence, der Mistral, begünstigen die Trocknung der Seifen.
Gegensatz: Die Seifen der sonst bekannten Hersteller verwendeten Kaliumsalz aus Holzasche?!
Photo by: Viola Einert-Krug
1371 Crescas Davin = erster offizieller Seifen-Meister mit Zertifikat - der dieses Soda verwendete
1593 Georges Prunemoyr = Gründung der ersten Manufaktur zur Seifenherstellung in Marseille
Lange Zeit konnte viel zu wenig hergestellt werden, als dass alle etwas davon gehabt hätten.
Zu dieser Zeit gab es hier noch viele Seifen aus Genua und Alicante, die auf den Märkten vertrieben wurden.
Aber die eigene Produktion nahm stetig zu.
1660 gab es bereits Fabriken, die fast 20 Tonnen jährlich produzierten.
Zu Zeiten Louis des XIV - des Sonnenkönigs - erlangte die Seife eine sehr hohe Qualität.
War er doch für seine Ästhetik in jeder Hinsicht bekannt.
Hat Euch eine Eurer Reisen vielleicht bereits einmal in das Schloss von Versailles geführt?
Oder habt Ihr den Film - Die Gärtnerin von Versailles gesehen? Dann wisst Ihr, wie wunderschön und ästhetisch dort alles ist,
vom Spiegel bis zum Garten - traumhaft).
1688 erließ er ein Edikt, dass diese Seife
- in großen Kesseln gekocht werden muss
- keinerlei tierische Fette enthalten darf
- der Ölgehalt mindestens 72 % betragen muss
- nicht im Sommer produziert werden darf,
da die Hitze die Qualität beeinflusst.
Eben diese Regeln, eben diese Verordnung sichern bis heute die hohe Qualität der Seife.
Sie sorgt für den einzigartigen Ruf der
"Savon de Marseille".
1786 gab es dann bereit 49 Fabriken mit 600 Arbeitern.
Zu Zeiten der Französischen Revolution boomte die Herstellung noch mehr und die bisher verwendeten Rohstoffe wurden knapp und reichten nicht mehr aus.
Es wurde Soda aus Meersalz hergestellt und auch Schwefelsäure kam zum Einsatz.
1812 erließ Napoleon ein Dekret, nach diesem musste die echte Seife jetzt gekennzeichnet werden.
Ein Fünfeck - in der Mitte Oliven, der Name des Herstellers und die Stadt Marseille.
Dies war einen Auszeichnung für die Hersteller, kam aber auch einer Warnung gleich.
Vor Täuschung und Fälschung wurde gewarnt,
mit erheblichen Geldstrafen geahndet und die Seife wurde beschlagnahmt.
1820 begann man außerhalb mit neuen Fetten zu experimentieren.
So kamen Kokosöl und Palmöl zum Einsatz.
Die Konkurrenz schlief nicht!
Seifenmanufakturen in Paris und in England entstanden...und hier wurden Seifen aus Talg
und damit viel billiger hergestellt.
Die Qualität der Seife aus Marseille - mit dem Soda aus den Salzwiesen des Meeres hergestellt - setzte sich durch.
Das konnte auch die Mechanisierung der Herstellung, die es im 20. Jahrhundert gab,
nicht ändern. Die alten Verfahren wurden erhalten
und damit auch die so wichtige Tradition.
1938 wurden 120.000 Tonnen produziert.
Zu Beginn des 2. Weltkrieges waren die Seifenhersteller aus Marseille für die Hälfte der französischen Produktion verantwortlich.
Dann geschah es...
zunehmend wurden die Seifen durch synthetische Waschmittel ersetzt.
Aber: Seit 1980 besinnt sich die Menschheit
und setzt wieder stärker auf
Natürlichkeit und die Authentizität.
Vegan wird ein großes Thema - ebenso wie
BIO, Ethik, und Tierschutz und Schutz
der Meere.
Die Sorge um die die Gesundheit, den Naturschutz
und unsere Erde gewinnt immer mehr die Oberhand.
So sind diese natürlichen Seifen beliebt wie nie,
da sie mit diesen Punkten im Einklang liegen.
Photo by: Viola Einert-Krug
Leider gibt es heute nur noch ganze vier Seifenfabriken in der Region Marseille.
Diese achten bei ihrer Produktion streng auf das alte Edikt, die alten Regeln, das Reinheitsgebot. Demnach enthält diese Seife immer 72 % Olivenöl und es gibt noch die tollen, urigen und berühmten 300 und 60o Gramm Würfel.
Es hat ein Zusammenschluss der Fabriken zu einer Genossenschaft gegeben.
Die "L´union des professionells du Savon de Marseille".
Sie setzten sich zusammen für den Schutz und die Anerkennung sowie den Respekt vor der Tradition der jahrhundertealten Herstellung der Seife und der alten Verfahren ein.
(Quellen: savonnerie.du.midi, wikipedia, marseille-tourisme.com)
Eine dieser Manufakturen zur Seifenherstellung aus der Provence möchte ich Euch noch vorstellen.
Die Savonnerie du Midi ist in Marseille zu finden.
Die geografische Lage wird durch die Lage am Meer und den Hafen begünstigt.
So können die Produkte seit jeher in die Welt hinaustragen werden.
1894 ursprünglich gegründet von Herrn Garbit - einem Kräuterkundler und Unternehmer
im Norden von Marseille im Stadtteil Carnet.
Zu diesem Zeitpunkt gab es 3 Marken, darunter
die "La Corvette"
(marineblaues Logo mit Segelschiff - 18. Jh.).
La Corvette ist die einzige Seife, die noch heute hergestellt wird.
1970 zog das Unternehmen um in eine alte Mühle.
Diese - 1870 erbaut - war eigentlich bestimmt zum Mahlen von Getreide und Gries.
Zuerst wurde die Seife - grün wie die Oliven in 5 Kilo - Blöcken oder mit sogar noch mehr Gewicht - hergestellt.
1990 - bietet die Savonnerie als erste ihre Seife auch flüssig an.
1995 - wird die Marke "Maitre Savon de Marseille" gegründet
2007 - entsteht die Kosmetiklinie "Plaisir Bio" -
ein neues Engagement in dieser Hinsicht.
2018 - wird das äußerst interessante Museum gegründet.
Auf einer Fläche von 285 m² lernt und sieht man alles über die Herstellung der Seife und kann im Shop natürlich auch diese Produkte von "La Corvette" kaufen.
Es gibt Führungen von ca. 1,5 Stunden.
Anschrift: 72 rue Augustin Roux in 130 Marseille
Phone: +33 (0)491 60 54 04
mail: musee@savonneriedumidi.fr
Öffnungszeiten: Dienstag 10:30 Uhr
und während der Schulferien: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag um 10:30 Uhr
Anmeldungen unter: musee@savonneriedumidi.fr.
Eintrittspreise: 7,00 Euro/ ermäßigt; 5,00 €/ Kinder unter 5 Jahren kostenfrei
Das ist nur ein kleiner Auszug zu Geschichte und Produkten der Savonnerie.
Ein gutes Beispiel, wie man sich auch als Unternehmen für Traditionen
und Umweltschutz einsetzten kann.
Der Savonnerie du Midi wurde ausgezeichnet als Unternehmen mit traditionellem Knowhow.
(Quellen: wikipedia und savonneriedumidi.fr)
Erfinderisch und der Zeit angepasst, werden die Produkte heute in vielen Geschäften verkauft.
Es ist ein ganz besonderes Erlebnis da einzutreten.
Zu schnuppern und zu schauen.
Unterschieden werden muss erst einmal, ob wir Seife
- für die Wäsche oder
- für den Körper suchen.
Denn beides ist zu haben...und noch vieles mehr.
Wunderschön dekoriert haben wir die Qual der Wahl.
In den Regalen, nach Farben sortiert, hat man es nicht leicht, das richtige zu finden.
Obwohl sie alle "richtig" sind.
Aber sich für einen Duft zu entscheiden, fällt so richtig schwer.
Da gibt es: natürlich Olive und Lavendel, Mango oder Pfirsich, Rosen oder Thymian, Jasmin oder Magnolie... aber auch Ananas, Pfefferminz und Schokolade....
einfach alles, was man sich an Duft vorstellen kann.
Ich vergleiche es mal mit einer riesigen Eisdiele - nur ist es eben Seife.
Aber es gibt auch die tollen Seifenwürfel - in olivgrün und lila und weiß.
...und andere Kreationen, Seifen aufgefädelt am Band oder als Skulptur
- z. B. Fische oder Seesterne
Sehr dekorative Seifenstückchen finden wir hier.
Aber inzwischen bietet man auch diverse Accessoires zum Verkauf an.
Seifenschalen, typische Töpferware für hier oder Badewännchen für die Seife zum Aufbewahren.
Kleine, fertige Geschenkverpackungen, Miniseifen, oder kleine Seifenstückchen als Meeresgetier
in sämtlichen Farben und Formen.... etwa oder auch Raumdüfte.
Deshalb verlasse ich nie das Geschäft ohne mindestens 10 Stück Seife.
Es war eine lange Reise hierher und wir müssen bis zum nächsten Besuch Vorrat haben.
Photo by: Viola Einert-Krug
Photos by: Viola Einert-Krug
Photo by: Viola Einert-Krug
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So mancher möchte jetzt sagen, wer nimmt denn noch Seife in Stücken?
Nun ich - die Einheimischen und die anderen Millionen Touristen, die diese Region
jedes Jahr besuchen und hier einkaufen.
Der Erfolg dieser Geschäfte gibt uns recht.
Vielleicht ist es auch Dein Anliegen, die Umwelt ein wenig mehr zu achten? Weniger Plastik zu kaufen und auf chemische Produkte zu verzichten?
Du verzichtest auf nichts.
Dagegen ist es doch eine Kleinigkeit,
die Seifenschale auszuwaschen.
Besucht bei Euren nächsten Reisen doch
unbedingt diese Geschäfte, lasst Euch
von den betörenden Düften umschmeicheln,
einhüllen und verführen (zum Kaufen).
Ich hoffe, es hat Euch Spaß gemacht, den Artikel zu lesen und ich konnte Euch auch ein wenig neues
vermitteln.
Ich liebe diese Gegend, diese Reisen ans Meer.
Es ist nicht immer nur der Strand, der hierherlockt.
Es sind immer Menschen und Traditionen, die
dahinter stehen, die uns Einblick in die Vergangenheit geben und vielleicht ein wenig den Weg in die Zukunft weisen.
Darf ich um einen Kommentar bitten?
- Merci - cordialement Viola.
Badeschuh und Du - Reiseblog
Urlaub - Reisen - Strand...und
auch mein Zuhause Sachsen
Die Gestaltung der Website und der Beiträge sind ein Herzensprojekt für mich. Mein Name ist Viola und ich begrüße Euch herzlich auf meinem Blog.
Begleitet uns auf unseren Reisen.
Europa und die Heimat Sachsen
sind die Themen. Mit Tipps und Rezepten
zur Region, mit Vorschlägen für Ausflüge und Sehenswertem wollen wir Euch unsere Welt zeigen.
Wir lieben das Meer. So entstand der Name des Blogs. ... und ich sage Euch
- ohne meine Badeschuhe bin ich dort nicht unterwegs.
Nicht nur die Natur, hat es uns angetan, sondern auch Städte und Kultur,
Märkte und Lifestyle. Von dort bringe ich Euch Rezepte mit, die Ihr gern nachkochen könnt und die Euch die Regionen noch näher bringen sollen.
Ich berichte von verschiedenen Erlebnissen und Anlässen. Stelle Euch Menschen vor, zeigen wie sie leben und was Ihr Leben beeinflusst und prägt. Erzähle Ihre Geschichten und auch von Traditionen, von der Geschichte der Gegend. Es wird spannend.
Text und Bilder sind meine Werke.
Die Liebe zum Schreiben und Fotografieren, zum Recherchieren und Euch Nahe bringen führt dazu, dass ich viel Zeit aufwende, aber das sehr gern.
Auf Reisen bin ich einfach immer nur gespannt, was es zu erleben und entdecken gibt und halte es fest. Auch für Euch! Mancher sagt vielleicht, viel zu stressig, mag sein, aber es ist
meine Passion.
Als Würze gibt es kleine Geschichten, erlebt und aufgeschrieben. Hab ich Euer Interesse geweckt, stöbert gern auf der Website oder im Blog.
Findet Ihr meine Beiträge richtig gut, wollt Ihr mich gern unterstützen?
Dann bedanke ich mich sehr, denn die Kosten für die Reisen und notwendigen Aufwendungen wie zum Beispiel das Equipment, die Website und Auslagen werden ausschließlich von mir selbst finanziert.
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Badeschuh und Du - Reiseblog von Viola Einert-Krug, 09123 Chemnitz, Berbisdorfer Kirchweg 1 Datenschutz Impressum